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Trail-O - Warum teilnehmen? // Teil 2

Im Juli durfte ich Teil des deutschen Teams bei den World Trail-Orienteering Championships in Polen sein. Heute möchte ich euch daher im zweiten Bericht Einblicke aus dem Trail-O im Gelände geben und erklären, worin für mich die Faszination liegt.


viel Gewimmel im PreO-Wettkampf -> Ruhe bewahren und nicht über Rollstühle fallen!

ein Postenkarussell zum Stempeln der (hoffentlich richtigen) Antwort

Lösungskarte meines bisher schwierigsten Wettkampfs: die erste PreO-Etappe der WM (knappe Zeit, oft schlechte Sicht, sehr viele Posten -> auch administrativ anspruchsvoll)

Sieht du alle vier Posten?

durch ein solides Ergebnis in der zweiten Etappe konnte ich in der Endwertung Platz 30 erreichen, womit ich sehr zufrieden bin

das deutsche Team mit Bronze-Gewinner Bjarne, der sogar zur Dopingkontrolle musste

WTOC erfolgreich beendet - was folgt als nächstes?

Als ich vor ca. drei Jahren zum ersten Mal über Trail-O nachgedacht habe, war mir relativ schnell klar, dass diese Orientierungssportart, verglichen mit OL, eigentlich nur langweilig sein kann. Das körperliche An-die-eigenen-Grenzen-Stoßen fehlt ebenso wie das Sich-kurz-mal-Verlaufen. Wenn man sich nicht selbst im Gelände bewegt, kann man die Natur und ihre Stimmungen gar nicht so einmalig erleben wie beim "echten" OL. Auch der Fitness- und Gesundheitsaspekt kommt zu kurz - wenn die Zeit zum Sporttreiben unter der Woche sowieso schon sehr begrenzt ist, möchte man sich doch wenigstens am Wochenende mal richtig verausgaben oder zumindest draußen sportlich betätigen. Um zwei Stunden auf einem Weg hin und her zu gehen, ohne richtig ins Gelände zu dürfen, lohnen sich weite Fahrten außerdem sowieso nicht. 

Ihr seht - besonders viel Verständnis für die Trail-O-Enthusiasten hatte ich nicht gerade. Von den vielen Online-TempO-Events angestachelt kam es trotz aller Gegenargumente dann im letzten Herbst aber doch noch dazu, dass ich an meinem ersten "echten" Wettkampf im Gelände teilnahm. Zwei World Ranking Events in der Slowakei boten sich an, um meine ersten Erfahrungen zu sammeln. Und ich muss mir eingestehen, dass ich positiv überrascht war! Nicht nur von meiner Leistung, die für den Anfang ganz in Ordnung war, sondern auch vom Spaß, den die Wettkämpfe mir bereitet haben. Jedenfalls war ich danach motiviert, mich 2022 auch bei weiteren WREs sowie internationalen Meisterschaften mit den Besten zu vergleichen, um selbst zu sehen, was ich kann und wo meine Grenzen liegen.

Wie genau funktioniert das denn jetzt eigentlich mit dem Trail-O?
Trotz der Benennung ist es nicht einfach OL auf Wegen, denn die Aufgabe ist eine andere als beim OL.
In der Disziplin PreO gilt es, innerhalb der vorgegebenen Maximalzeit so viele Posten eines Postennetzes, wie eben möglich, richtig zu beantworten. Sprich, für jeden eingezeichneten Posten zu entscheiden, ob einer der im Gelände platzierten Postenschirme der gefragte ist, oder ob keiner richtig steht.  Während des Wettkampfes bewegt man sich auf Wegen und schaut sich die Postenstandorte von Entscheidungspunkten aus an. Es ist nicht vorgegeben,
wie viel Zeit für welchen Posten verwendet werden soll. Ob die komplette Zeit ausgenutzt wurde oder am Ende noch einige Minuten übrig sind, spielt ebenfalls keine Rolle.

Im der TempO-Disziplin wird dagegen jede Sekunde gezählt. Hier kommt es darauf an, die Aufgaben mit der richtigen Taktik möglichst schnell und richtig zu lösen (30 Strafsekunde pro falscher Antwort). Der Unterschied zum Online-TempO ist nicht groß. Die Stationen sind entlang eines Weges im Gelände verteilt und man wird mit einem Regenschirm, der das Sichtfeld auf die Posten versperrt, zum jeweiligen Entscheidungspunkt gebracht. Dort spricht man die Antworten laut aus, die, zusammen mit der Zeit, von einem Kampfrichter notiert werden.

Was ist also das, was daran Spaß macht?
Im PreO besteht der Reiz für mich darin, durch den Vergleich verschiedener Indizien für möglichst alle Posten zur richtigen Lösung zu gelangen. Dazu ist es wichtig, sich die Zeit gut einzuteilen: Manche Posten sind auf den ersten Blick lösbar, aber vielleicht täuscht der erste Eindruck auch? Für manch andere Posten reichen die 3-4 Minuten, die man im Schnitt Zeit für die Lösung hat, einfach nicht aus, sondern man braucht vielleicht 10 oder 15, bis man sich sicher ist. Sich die Zeit insgesamt gut einzuteilen und über den kompletten Zeitraum konzentriert zu bleiben, ist wirklich eine Herausforderung. Gerade dann, wenn die Zeit davonläuft und man nervös wird, weil andere schneller voran kommen. Das Finden der Lösung gleicht Detektivarbeit. Man muss das Gelände und die Kartierung verstehen, möglichst viele Objekte zuordnen können, Relationen beachten, Entfernungen schätzen und auch dann, wenn man sich unsicher ist, innerhalb der Zeit zu einer Lösung kommen. Erschwert wird die Aufgabe oft durch eingeschränkte Sicht, sei es durch eine große Entfernung der Posten zum Entscheidungspunkt oder verdeckende Vegetation. Manchmal sieht man die Posten nur von einem einzigen Punkt aus, manchmal kann man durch Hin- und Herlaufen verschiedene Blickwinkel nutzen. Außerdem gilt es zu vermeiden, sich bei der Benennung zu verzählen, an dem falschen Postenkarussell zu stempeln oder sogar einen Posten ganz zu vergessen. Es ist insgesamt alles andere als einfach, alle Aufgaben richtig zu lösen. Die Herausforderung dürfte allen Freude bereiten, die sich für OL-Karten interessieren, logisches Denken mögen und in der Kindheit gerne Ratekrimis gelesen haben. Das Konzentrations- und Stresstraining in unterschiedlichen Geländetypen gibt es inklusive, wenn man gut abschneiden will. Und wer perfektionistisch veranlagt ist und noch keinen fehlerfreien Wettkampf absolviert hat, wird mindestens so lange weitermachen, bis die Leistung reicht. Es ist also weniger der direkte Vergleich mit der Konkurrenz, der zählt, sondern viel mehr das Duell mit dem Bahnleger bzw. der Bahnlegerin und letztlich mit sich selbst.

Der TempO im Gelände ist auf eine andere Art interessant. Wer schonmal beim Online-TempO teilgenommen hat, wird das Gefühl kennen, im Moment der Antwortabgabe schon zu merken, dass man einen Fehler gemacht hat. Ich darf euch beruhigen: Im Gelände kann man dieses Gefühl genauso erleben. Die richtige Balance zwischen Antwortzeit und Antwortgenauigkeit zu finden, ist der Schlüssel zum Erfolg. Hier ist es noch schwieriger, einen perfekten Wettkampf abzuliefern. Die gute Nachricht: Es ist für alle schwierig, daher kann man auch mal mit weniger perfekten Leistungen recht weit vorne in den Ergebnissen landen. In dieser Disziplin ist der direkte Vergleich mit den anderen stärker, da der Zeitvergleich entscheidend ist, nicht die Anzahl der richtigen Lösungen.

Beide Disziplinen haben ihren eigenen Reiz und sind eine anspruchsvolle Herausforderung für Orientierungsfans. Ich kann alle verstehen, denen OL ausreicht, aber vielleicht könnt ihr jetzt etwas besser nachvollziehen, wieso mich auch der Trail-O inzwischen gepackt hat! Man darf Trail-O eben nicht mit OL vergleichen oder den OL dadurch ersetzen wollen. Es sind zwei unterschiedliche Sportarten, die beide das Orientieren im Zentrum haben. Während im OL der physische Aspekt zusätzlich eine große Rolle spielt, ist er im Trail-O nahezu komplett ausgeschaltet. Es ist reines Orientieren!

Wenn sich jetzt jemand angesprochen fühlt: Einfach mal ausprobieren! Zwar gibt es in Deutschland leider keine regelmäßigen Angebote, dafür lässt sich zumindest PreO aber immer mal bei internationalen Mehrtage-OLs als Zusatzangebot ausprobieren. Qualitativ hochwertig sind World Ranking Events, die zum Beispiel in Polen und Tschechien relativ grenznah stattfinden. TempO lässt sich dagegen, wie im ersten Teil näher erläutert, sehr gut online ausprobieren.

Mehr Informationen rund um den Trail-O findet ihr auf der Disziplinseite auf O-Sport.de: https://o-sport.de/trail-o/news/category/trail-o

(Fotos WTOC: Natasza Figiel, Ralph Körner)

Link: Homepage WTOC
(mit vielen Fotoeindrücken, Ergebnissen, Lösungskarten usw.)

Autor: Nina Döllgast
Eingestellt am: 14.08.2022