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Nina Döllgast bei Europäischen Hochschulmeisterschaften am Start

Die europäischen Hochschulmeisterschaften (EUC) wurden dieses Jahr zum ersten Mal auch im Orientierungslauf ausgetragen. Im tschechischen Olomouc starteten über 140 Studierende von 50 verschiedenen Universitäten bei der Premiere dieser Veranstaltung. Für die niedersächsische Georg-August-Universität Göttingen war Nina Döllgast zusammen mit Nationalläuferin Paula Starke mit dabei.


Eröffnungszeremonie

die deutschen Starter

am Start zur Sprintquali

Mitteldistanz in der brütenden Hitze

die Damenbahn mit GPS-Track

hier lagen wir noch auf Platz 2...

schicke Regenmäntel für die Erfrischung bei der Staffel

Da der Orientierungslauf an meiner Uni eine längere Tradition hat und wir jedes Jahr erfolgreich an den Deutschen Hochschulmeisterschaften teilnehmen, war schnell klar, dass auch ein Team aus Göttingen bei der ersten EUOC-Auflage vertreten sein wird. Trotz mehrerer Verletzungen in den letzten Monaten habe ich das Ziel, dabei gut abzuschneiden, nie aus den Augen verloren. Eine optimale Vorbereitung sieht trotzdem anders aus. Aber nachdem ich Anfang Juli endlich wieder ins normale Lauftraining einsteigen und ein paar gute Einheiten absolvieren konnte, wuchs dann die Hoffnung, doch fitter am Start zu stehen, als bisher gedacht. Und so machte ich mich mit viel Vorfreude auf zu meinem zweiten internationalen Event als Athletin, statt wie so oft als Trainerin.   

Das Programm startete bereits am 23. Juli mit einem Sprintprolog, den ich zum lockeren Aufwärmen für die Woche nutzte. Mittwochs begann dann mit dem Modelevent im Wald das offizielle Programm. Durch die Vorbereitung mit alten Karten erkannte ich den Kartenausschnitt sofort wieder, das Gelände war dann in der Realität aber sogar deutlich schöner als gedacht. Wegen der großen Hitze und der steilen Anstiege galt es aber, sich erstmal nicht zu sehr anzustrengen, um für die Wettkämpfe noch frisch zu sein. Bevor es endlich losging erwartete uns noch die Eröffnungszeremonie, die pünktlich um 20:19 Uhr mit dem bekannten Startuhrpiepsen begann. Dabei wurden sogar alle Universitäten einzeln auf der Bühne vorgestellt. Natürlich gab es auch tschechischen Volkstanz zu begutachten und mehrere Reden, unter anderem von IOF-Präsident Leho Haldna, der extra für diesen Tag angereist war.

Im kleinen Städtchen Bouzov mit malerischem Schloss, Schlosspark und kleinen Straßen startete der Mittwoch mit der Sprintqualifikation. Da sie entgegen der ersten Ausschreibung nur dazu diente, die Startreihenfolge für den Finallauf festzulegen, reichte es, ohne Fehlstempel über die Bahn zu kommen. Das gelang mir überraschenderweise und ich platzierte mich sogar im Mittelfeld, obwohl ich nicht volles Tempo gelaufen war. Der Wettkampf machte mir einfach Spaß, da es viele kurze Postenverbindungen gab und man durch den gleichzeitigen Start mit dem anderen Vorlauf motivierenden Gegnerkontakt hatte. Die lange Mittagspause wurde zum Essen und Herumliegen genutzt, bevor die Busse in der Mittagshitze zur zweiten Quarantäne, diesmal für den Finallauf in Mohelnice, fuhren. Nachdem das Warten ein Ende hatte und man draußen erstmal von der Hitze erschlagen wurde, musste dann eine recht laufbetonte Bahn durch den Stadtkern und angrenzende Wohnblocks gerannt werden. Irgendwie schaffte ich es, mehrmals eine schlechtere Route zu wählen, wodurch zu meinem sowieso schon großen läuferischen Rückstand auch noch zusätzliche Meter hinzukamen. Daher reichte es nur zu Platz 52 mit fast 5 Minuten Rückstand auf Tereza Janosikova, die insgesamt drei EUC-Goldmedaillen abräumte. Paula hatte dagegen einen guten Tag und konnte mit Platz 7 ein tolles Ergebnis für unsere Uni herauslaufen!

Neuer Tag, andere Disziplin, neues Glück! Auf die Mitteldistanz am Freitag habe ich mich besonders gefreut, weil das die Distanz ist, bei der ich meine Fähigkeiten am besten ausspielen kann. Auf dem langen Weg bergauf zum Start war ich einfach nur total glücklich, in diesem schönen Wald einen Wettkampf laufen zu dürfen. Es lief dann auch von Anfang an gut: ich konnte mehrere Konkurrentinnen einholen und meine Fehlerzeiten relativ geringhalten. Leider verletzte ich mich zu Beginn des letzten Drittels am Oberschenkel und fiel dadurch etwas zurück. Trotzdem konnte ich mit Platz 21 ein deutlich besseres Ergebnis erzielen, als ich mir vorher erhofft hatte, und sogar die ein oder andere WM-Läuferin hinter mir lassen. Paula war nicht ganz zufrieden mit ihrem Lauf, erreichte aber einen soliden 12. Platz.

Zum Abschluss stand samstags noch eine Doppelsprintstaffel direkt in Olomouc an. Zu Fuß gingen wir zur Quarantäne und mussten noch etwas warten, da die reine Damenkategorie erst nach den Herren dran war. Nachdem die zweiten Läuferinnen in die Wechselzone geführt wurden, konnte ich schon bald Paula sehen, die an guter Position auf der Sichtstrecke war und mich dann sogar als Zweite mit nur vier Sekunden Rückstand losschickte. Erwartungsgemäß handelte ich uns etwas mehr Rückstand ein, aber das Gelände lag mir deutlich besser als das im Sprintfinale, sodass ich immerhin noch Anschluss an andere Teams hatte und auf Platz 8 wechseln konnte. Auf der dritten und vierten Strecke wurden dann die Rückstände größer, aber wenigstens konnte ich die beiden verfolgenden Teams knapp hinter mir lassen und den angestrebten 10. Platz noch über die Runden bringen. Auch wenn ich vorher skeptisch war, hat die Sprintstaffel richtig viel Spaß gemacht, da ich oft Gegnerkontakt hatte und man immer mal o-technisch einen kleinen Vorsprung rauslaufen konnte.

Bei der anschließenden Closing-Zeremonie wurden auch die besten Universitäten geehrt. Die Uni Göttingen erreichte dabei Platz 12, was zu zweit unter 50 Universitäten ein gutes Ergebnis ist. Dusan Vystavel, der EUOC-Initiator und CEYOC-Erfinder, beendete die Veranstaltung unter viel Applaus – echt irre, was der Mann alles für den OL leistet. Nachmittags hieß es dann entspannen, bei der Bierstaffel zugucken und Sachen packen, da wir uns am nächsten Morgen schon früh auf den Heimweg machten.

Vielen Dank an das Sportreferat Göttingen bzw. den Hochschulsport für die Nominierung und die große finanzielle Unterstützung! Es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, bei der ersten EUOC-Auflage dabei sein zu dürfen mit Ergebnissen, auf denen sich aufbauen lässt. Wer nicht die Möglichkeit hat, für Deutschland international laufen zu dürfen, sollte in Zukunft die Chance nutzen, bei solchen Veranstaltungen Erfahrungen sammeln zu können. Mit Belgrad (EUSA-Games 2020) und St. Gallen (EUOC 2021) stehen auch schon die nächsten Veranstaltungen fest.

(Fotos: Veranstalter)

 

Links:

Vorbericht OL.de

Nachbericht OL.de

Homepage der EUOC mit Ergebnissen, Karten und vielen Bildern

Autor: Nina Döllgast
Eingestellt am: 01.08.2019